Dienstag, 20. März 2018

Bischof beruft Dekan Andreas Sturm als neuen Generalvikar

Wiesemann: „Der richtige Mann in dieser Stunde für unser Bistum“ - Amtsantritt zum 10. Juni 2018

Liebe Kinder, Jugendliche und Erwachsene unserer Pfarrei Heiliger Ingobertus,

eben hat die Bischöfliche Pressestelle in Speyer bekannt geben, dass mich Bischof Wiesemann zu seinem neuen Generalvikar ernannt hat und ich dieses Amt ab dem 10. Juni dieses Jahres bekleiden werde. Allerdings bin ich noch bis Ende Juni hier im Amt und werde erst im Juli nach Speyer ziehen.

Die Entscheidung des Bischofs ist für mich eine große Ehre, aber auch eine Aufgabe, die mir Respekt einflößt, denn der Vorgänger im Amt, Dr. Franz Jung, designierter Bischof von Würzburg, hat dieses Amt großartig ausgefüllt und es sind sehr große Fußspuren, die er hinterlässt.

Für mich kam diese Anfrage ziemlich überraschend. Ich bin am 1.1.2015 hier nach St. Ingbert gekommen und bin, gerade auch nach der kurzen Amtszeit von Pfr. Dr. Dittrich, eher davon ausgegangen zehn Jahre länger hier bleiben zu können. St. Ingbert ist in dieser Zeit für mich Heimat geworden. Sie alle haben dazu beigetragen und haben mich hier herzlich und wohlwollend aufgenommen. Ich habe hier viele, zum Teil hoch motivierte Frauen und Männer, Kinder und Jugendliche kennengelernt, die ihren Beitrag zum Zusammenwachsen unserer Pfarrei leisten. In unseren pfarrlichen Gremien, Gruppen, Verbänden und Kreisen wird unendlich viel geleistet und es ist beeindruckend, wieviel Zeit und Herzblut sie alle für unsere Pfarrei und die Gemeinden aufbringen. Unsere Pfarrei Heiliger Ingobertus ist eine lebendige Pfarrei mit tollen und engagierten Menschen. Ich bin dankbar für mein Team an pastoralen Mitarbeitern und für die Sekretärinnen, die mich alle sehr gut bei meinen Aufgaben unterstützt haben.

Die neue Pfarrei und ihre sechs Gemeinden sind auf einem guten Weg, aber es ist auch noch viel zu tun und da kommt der Weggang des leitenden Pfarrers mehr als ungünstig. Auch Bischof Wiesemann ist das mehr als bewusst und wir haben uns lange darüber ausgetauscht. Er wird sich aber dafür einsetzen, dass Sie einen guten Pfarrer, als meinen Nachfolger bekommen.

Ich habe mich nicht wegbeworben und wäre auch sehr gerne noch weiter bei Ihnen geblieben, aber ich verstehe auch die diözesanen Notwendigkeiten und will dem Wunsch des Bischofs nachkommen. Trotzdem fällt mir der Weggang nicht leicht.

Als ich vor knapp vier Jahren gehört habe, dass unsere Pfarrei Heiliger Ingobertus einen neuen Pfarrer sucht, habe ich nicht lange überlegen müssen. Ich empfand es als große Chance, eine Stadt als Pfarrei zu haben. Natürlich hat jede Kirche ihr ganz eigenes Gepräge, angefangen bei unserer kleinen Barbarakirche in Schnappach bis hin zur großen Josefskirche. Während man in St. Barbara fast meinen könnte, man feiert eine Messe im heimischen Wohnzimmer, so ist St. Josef eher der Ort für große festliche Gottesdienste. Mir werden großartige und feierliche Orchestermessen in St. Hildegard genauso in Erinnerung bleiben, wie Familiengottesdienste in St. Josef mit der Jugendband. Da sind die Frühschichten in der Pirminiuskapelle in St. Michael oder so manche Roratemessen in St. Franziskus, die mich begleiten werden. Es sind Konzerte in St. Konrad, Gottesdienste mit den Chorlibris in Herz Mariae, die Frauenmessen in der Alten Kirche und in St. Hildegard und so vieles, vieles mehr. Es waren aber auch die vielen Hochzeiten und Taufen, die mich berührt haben – genauso wie Kinderkatechesen mit unseren Kommunionkindern. Immer wieder wurde ich zu Sterbenden gerufen und habe mit den Angehörigen gebetet und die Krankensalbung gespendet. Auch durfte ich immer wieder bei Beerdigungen Menschen in Trauer begleiten und das hat mich in einem tiefen Sinn erfüllt.

Für mich waren die Messdienerinnen und Messdiener der unterschiedlichen Gemeinden eine großartige Gemeinschaft und ich bin dankbar für den geleisteten Dienst. Es war eine hervorragende Zeit, wenn wir gemeinsam bei den Messdienerfreizeiten waren, Ausflüge unternommen haben und natürlich vor allem, wenn wir gemeinsam den Dienst am Altar verrichtet haben.

Aber neben der Liturgie war da noch so viel mehr. Die Sternsingerinnen und Sternsinger, die Fastnachtstradition in St. Franziskus und auf dem Hobels, der Männerkochklub in St. Michael, die vielen Feste und Ausflüge bei den diversen Chören, dem KDFB und der kfd, den Maltesern, der KjG den Pfadfindern, den Musebolden, dem Männerwerk und bei Kolping.

Ich war unglaublich gerne in unseren Kitas. Ich hatte meinen Spaß mit den Kindern und freute mich immer, wenn auch Kita Kinder mich in der Stadt begrüßten und wiedererkannten. Wir haben ausgezeichnete Leitungen und großartige Erzieherinnen und ich mache mir daher auch keine Sorgen, dass der gute Weg des Speyerer Qualitätsmanagements für Kitas weitergeführt wird.

Ich war auch immer wieder bei unseren Senioren – in den Altersheimen und auch zuhause und habe auch diese Zeiten als wertvoll und dankbar empfunden.

Die Zeit hier war aber auch geprägt von einem guten ökumenischen Miteinander. Ich bin dankbar Pfarrerin Scherer und Pfarrer Schneider-Mohr, aber auch die Frauen und Männer in den Presbyterien kennengelernt zu haben. Wir haben vieles schon Dagewesene in guter Weise weitergeführt und manches Neue begonnen. Vor allem die Tradition mit dem Pfingstmontag als zentrale ökumenische Feier hat mir gut gefallen und wurde im vergangenen Jahr durch unser Ökumenebier unvergesslich.

Mich hat aber auch das gesellschaftspolitische Engagement in unserer Stadt begeistert. Die gelebte Willkommenskultur für Flüchtlinge, der Treff im Gäsje für Obdachlose und das Engagement so vieler bei der St. Ingberter Tafel sind nur einige Leuchtturmprojekte.

Ich war auch gerne der „Schulpfarrer“ unserer Albertus-Magnus-Realschule. Es gibt zwar dieses Amt nicht wirklich, aber ich habe mich immer gefreut, wenn die Anfrage kam, den Einschulungs-Gottesdienst für die 5. Klassen zu übernehmen oder den Abschluss-Gottesdienst für die 10. Klassen und die Gottesdienste in der Advents- und Fastenzeit. Unsere Schulen gehören zu unserer Stadt und unserer Pfarrei. In diesem Zusammenhang möchte ich auch den Konvent unserer Dominikanerinnen erwähnen, bei denen ich immer gerne war.

Und was kommt jetzt? Meine Arbeit wird eine ganz andere werden und bei dem Gedanken wird mein Herz schwer, denn vieles was ich gerade aufgelistet habe, war mir immer sehr wichtig. Man bezeichnet in der Kirche den Generalvikar, als das Alter Ego des Bischofs. Das bedeutet, der Generalvikar ist der engste Mitarbeiter des Bischofs bei der Leitung der ganzen Diözese. Eine meiner Hauptaufgaben wird die Leitung der Verwaltung unserer Diözese sein; eine Behörde mit gut 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Erfahrungen, die ich hier bei Ihnen sammeln durfte, werden dabei hilfreich sein.

Auch wenn das jetzt alles schon wie Abschied geklungen hat, noch bin ich da und werde mich auch nochmal eigens von Euch und Ihnen verabschieden. Ich werde alle Aufgaben bis einschließlich zur Messdienerfreizeit weiterführen. Anfang Juli werde ich dann zwischen Speyer und St. Ingbert hin und herpendeln und in dieser Zeit auch meinen Umzug über die Bühne bringen.

Wann meine Verabschiedung sein wird, kann ich Ihnen jetzt noch nicht sagen, weil ich das erst mit meinem Team und dem Vorstand des Pfarreirats besprechen möchte.

Ich bin sehr dankbar, dass ich Sie und Euch kennenlernen durfte. Ich kann mir vorstellen, dass meine Entscheidung manche auch enttäuscht, traurig und vielleicht auch wütend macht. Das tut mir ehrlich leid und ich bitte um Ihr Verständnis. Bischof Wiesemann hat auch noch einen Brief geschrieben, den ich hier beigefügt habe. Vielleicht wird dadurch meine Entscheidung etwas leichter nachvollziehbar.

Begleiten Sie mich bitte auch weiter durch Ihr Gebet und ich hoffe auf viele weitere und schöne Begegnungen.

Ihr Pfarrer Andreas Sturm

 

Veröffentlichung Bistum Speyer