Jakob

Eine Freundin von mir hat Nachwuchs bekommen. Endlich! Sie hat ihn sich schon so lange so sehr gewünscht. Ein Junge ist es, und er heißt Jakob. Ich mag Jakob – den großen aus der Bibel, den kleinen kenn ich noch nicht. Die Story geht so: Jakob steht da und schaut in den Sternenhimmel. Da haut ihn plötzlich was aus den Latschen. Ein Fremder reißt ihn zu Boden. Sie kämpfen miteinander. Sie ringen und keiner gewinnt. Ums Gewinnen geht’s auch gar nicht. Sie japsen und schnaufen, aber keiner lässt los, keiner sagt: „Lass mal reden.“ Die beiden arbeiten sich aneinander ab, bis am Horizont die Sonne aufgeht. Der Fremde will sich aus dem Staub machen, aber Jakob lässt nicht locker: „So einfach kommst du mir nicht davon“, keucht er, „gib mir erst deinen Segen!“ Und er kriegt ihn, weil er darum gerungen hat. Ich mag Jakob, und ich will auch einer sein, der Gott seinen Segen abringt. Kein Ponyhof, kein frommes Gedöns, kein Klimbim. Gott ist Gott und ich bin ich. Frei und wild und echt. Kein aalglatter Typ im weißen Anzug mit salbungsvollen Worten und huldvollem Blick. Ein Unbekannter, der mich umhaut. Einer, der mit sich streiten lässt und sich nicht zu schade ist, sich mit mir im Staub zu wälzen. Herzlich willkommen, Jakob!

Segen

Es segne dich,
die Menschen, die du im Herzen trägst
und die Wege, die du gehst
Gott, der sich mit dir abgibt:
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.