Im Stich gelassen?

Gebet

Gott, du bist da.
Deine Gegenwart umhüllt und durchdringt uns
wie die Luft, die wir atmen, ohne die wir nicht leben können.
Hilf uns, dass wir dir ganz vertrauen und leben ohne Angst.
Darum bitten wir durch Jesus,
der mit uns auf dem Weg ist durch diese Zeit,
bis in deine Ewigkeit.
Amen.

Gedanken

Wie gehen wir heute mit der uns umgebenden Krise um? Ganz sicher ist es richtig, auf Veranstaltungen – auch Gottesdienste – zu verzichten und so die schnelle Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Merkwürdig ist, welche Reaktionen das teilweise hervorruft.

Am Sonntag hat mich zum Beispiel ein Bild erreicht, das den leeren Abendmahlssaal aus dem berühmten Gemälde von Leonardo da Vinci zeigt. Darunter stand geschrieben: „Dieses Bild ist nicht ganz korrekt. Eigentlich müsste es jetzt Jesus allein am Tisch zeigen, von seinen Jüngern (d.h. von unseren Pfarreien, die die Heiligen Messe nicht mehr feiern) im Stich gelassen…“

Als ich mir das Bild anschaute und den Text dazu las, kamen zwei Fragen in mir auf:

Ging es denn Jesus nicht vielmehr immer um die Menschen, um ihr Heil an Leib und Seele? Wir nehmen ihn doch gerade dann ernst, wenn es uns auch darum geht.

Und: Ist das wirklich unser Verständnis von Liturgie und Spiritualität, dass wir mit Jesus nur dann verbunden sind, wenn wir mit ihm in der Kirche Eucharistie feiern? Für mich ist Jesus bewusst da, wo wir beten und an ihn denken – allein oder in unseren Familien.

Irgendwann gefiel mir dieses Bild immer besser: Jesus sitzt nicht mehr am Tisch, es hat ihn nicht dagehalten. Er ist mit seinen Jüngern rausgegangen – in die Welt. Für mich heißt das, dass er gerade dann erst recht bei uns ist, wenn wir uns eben nicht mehr in unseren Kirchen versammeln können. Dass er bei uns ist, wenn wir in Sorgen auf die Zukunft schauen, wenn wir uns fragen, wie wir persönlich und unsere Gesellschaft mit der aktuellen Situation und ihren noch nicht absehbaren Folgen klarkommen werden.

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass Jesus nicht allein in unseren Kirchen sitzt, sondern dass er bei Ihnen ist, wo immer Sie auch sind: Am Frühstückstisch, im Home-Office, im Einsatz füreinander. Ich wünsche Ihnen, dass Sie in dieser Zeit mit sich, miteinander und mit Gott neu ins Gespräch kommen!

Segen

Gott,
segne alle, die in Ängsten leben.
Hilf ihnen auf.
Segne alle, die unermüdlich helfen.
Gib ihnen Kraft.
Segne alle, die im Augenblick nur um sich selbst kreisen.
Hilf ihnen, inne zu halten.
Segne uns alle und behüte uns auf unserem Weg heute.

Es segne uns der treue und barmherzige Gott:
Der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.­­