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Ich säe was

Weil Gott nimmersatt ist, braucht er einen Zweitjob. Er überlegt, Eisverkäufer zu werden (denn die Menschen lieben Eis und deswegen auch Eisverkäufer). Oder Leuchtturmwärter (er hat so gerne Weite und Meer). Er wird Landwirt. Nein, kein Viehzüchter (eingesperrte Tiere tun ihm leid), er bestellt einen Acker und sät. Er sät Hafer, Gerste, Zuversicht. Er sät frischen Wind, Zweifel und Sehnsucht. Er sät und sät, kreuz und quer, und es sieht ziemlich unordentlich aus auf seinem Feld. Er lässt alles stehen und wachsen. Nicht mal das Unkraut reißt er aus. Dafür ist sein Acker kunterbunt. Der Bauernverband bemängelt seinen verschwenderischen Umgang mit dem kostbaren Saatgut. Er müsse sich nicht wundern, wenn der Ertrag so klein bleibt und die Arbeit immer mehr wird. Die Kosten-Nutzen-Rechnung stimmt nicht. Er müsse sparsamer sein, effizienter. Darauf hat Gott keine Lust. Man schmeißt ihn raus. Aber er hat vorgesorgt (er hat meistens noch ein, zwei Asse im Ärmel). Seine Mitarbeiter, die er nicht wie normal Knechte und Mägde nennt, sondern – seltsam – Freundinnen und Freunde, die säen weiter: Sonnenblumen, einen Kirschbaum, Glaube, Liebe und Hoffnung. Gespannt schaut er ihnen zu. Mit beiden Händen säen sie. Gerne geht mal was daneben. Die Saat geht auf. Mal mehr. Mal weniger. Mal gar nicht. Da wächst was: Großes, Kleines. Trägt Frucht (teils dreißigfach, teils sechzigfach, teils hundertfach). Auch unter den Dornen. Und auf dem Nachbaracker. Und neben den eingetretenen Pfaden. Sogar dort, wo sie gar nicht gesät haben. Sieh an, denkt Gott, sehr gut. Und manchmal lässt er auf die Felder Wunder regnen…

Segen

Es segne dich,
die Menschen, die du im Herzen trägst
und die Wege, die du gehst
Gott, der manchmal Wunder regnen lässt:
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

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