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Hamsterrad

Bevor das Hamsterrad sich wieder zu drehen beginnt und immer schneller wird: 15 Dinge, die ich für unsere Pfarrei nicht vergessen will.

1. Not macht erfinderisch: Während der Corona-Krise ist viel Neues und Ideenreiches entstanden: Gottesdienste „to go“, Nachbarschaftshilfe, Hoffnungslichter, besonders schöne Schaukästen, „Jesus lebt“-Kreidebotschaften auf der Straße, kreativ gestaltete Kirchen, innovative Kita-Mitarbeiter*innen, unsere Pfarrei in den sozialen Medien, Kommunion-Kinder-Steine-Schlangen.

2. Offene Kirchen sind super und werden genutzt: zum spontanen Musizieren, zum Beten, Kerze anzünden, Malen, zum Hoffen und Einfach-Dasein, zum Pause machen und Auftanken. Und die Botschaft von einem Gott mit offenen Armen wird mit sperrangelweit offenen Kirchenportalen viiieeel glaubwürdiger als mit verrammelten.

3. Kirche ist nicht „systemrelevant“. Wie kommen wir damit klar?

4. Kunst in Kirchen ist gut und kann gerne auch an-stößig sein: von Begeisterung bis hin zur Empörung. Die Kunstinstallationen in der Alten Kirche und in der Kirche Herz Mariae regten viele an, nachzudenken und sich zu beteiligen. Manche regten sich auch auf. Beides darf sein.

5. Nochmal Kunstprojekt: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Besonders-„fromm“-sein und Besonders-intolerant-sein? Die einschlägigen Vorschläge zur „Tempelreinigung“ in der Alten Kirche waren jedenfalls aufschlussreich.

6. Weniger Verwaltung und weniger Sitzungen schaffen mehr Zeit und Raum für Seelsorge. Ich konnte jeden Tag so viele wertvolle Gespräche und Telefonate führen wie noch nie – kurze und lange, mit bekannten und unbekannten Menschen unserer Stadt. Fühlte sich sinnvoll an…

7. Geht das nicht anders mit dem Pfarr-Management? Und müssen all diese Sitzungen sein?

8. Kirche ist gleich Gottesdienst? Beschwerden kamen vor allem wegen des Aussetzens der Gottesdienste. Nach mehr Nächstenliebe oder innovativer Frohe-Botschaft-Verkündigung fragte niemand. Seltsam und schade. 

9. „Die Kirche“ fehlte den allermeisten St. Ingberter*innen in der Krise nicht. Vor der Krise auch nicht.

10. Unsere City-Kirche St. Engelbert ist ein Segen: Ein ständiges Kommen, Bleiben und Gehen. Hier und da ein Gespräch. Gut, dass es sie gibt! Da ist sicher noch mehr drin…

11. Wie unheimlich wichtig und unersetzbar für unseren Glauben doch Nähe und Gemeinschaft sind: Gespräche, Segnungen, Gruppentreffen, gemeinsames Beten und Feiern – alles, was wir vermissen und womit wir uns durch die Einschränkungen schwertun. 

12. Ob wir es auch unter normalen Umständen schaffen, die Kirchenbänke von vorne aufzufüllen?

13. Ist „irgendwas“ besser als „nichts“? Welches Verständnis von Gottesdienstfeiern und Eucharistie haben wir?

14. Selbstgemacht ist meistens besser. Aber auch aufwendiger. Auch im Glaubensleben. Statt sich von zwei Fernsehgottesdienste hintereinander unterhalten zu lassen, ist es sicher sinnvoller, zehn Minuten einen selbstgestrickten Gottesdienst zu Hause zu feiern. Geht auch „alleine“. Wie können wir die persönliche Spiritualität einüben, unterstützen und vertiefen?

15. Steht das Hamsterrad still, kann man aussteigen, es von außen betrachten und sich fragen, ob man wirklich wieder einsteigen will. Es fängt schon wieder an, sich zu drehen…

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